Studie 2020

Deutschlands Preis-Sieger

31. Oktober 2020 – 

Kunden erwarten eine angemessene Leistung für ihr Geld. Doch wer bietet das in der Praxis? Der große Test

Spätestens alle zwei Jahre beginnt bei Autofahrern das große Zittern: Der Wagen muss zum turnusmäßigen Kundendienst. Was muss neben den Routinearbeiten noch gemacht werden? Stößt der Mechaniker womöglich auf größere Schäden? Und was wird das am Ende kosten? Die Ungewissheit
kann groß sein – genauso wie der Schock bei der Präsentation der Rechnung. 300, 500 oder 1000 Euro – wer kann schon objektiv beurteilen, ob der Preis fair ist?

Das Preis-Leistungs-Verhältnis wird in erster Linie subjektiv wahrgenommen. Während die einen zufrieden sind mit dem Preis, der Leistung und der Qualität, halten andere die Ware für überteuerten Ramsch oder die Dienstleistung für böse Abzocke. Es gibt wohl kein Produkt und keine Dienstleistung, bei denen die einzelnen Meinungen, Wahrnehmungen und Erfahrungen nicht auseinanderklaffen würden.

Auf der anderen Seite kann sich doch ein recht klares Bild abzeichnen – vor allem dann, wenn viele Urteile von Verbrauchern untersucht werden. Genau das hat DEUTSCHLAND TEST auch 2020 getan. Zusammen mit
dem Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) und dem Wirtschaftsmagazin FOCUS-MONEY wurden mehrere Millionen Bewertungen zu rund 23.000 Unternehmen und Marken aus den verschiedensten Branchen erfasst und ausgewertet (Endergebnisse s. PDF zum Download oben rechts).

Der Test

Die “Preis-Sieger” Deutschlands

Methodik: Die Details der Untersuchung

Ausgangslage

Das Preis-Leistungs-Verhältnis sollte von Unternehmen stets im Blick behalten werden. Auch lohnt ein Vergleich mit den Produkten der direkten Wettbewerber, um optimieren oder nachbessern zu können. Umfragen zeigen: Im Ladengeschäft ist der Preis für zwei Drittel der Verbraucher von hoher Bedeutung. Bei Internet-Käufen sind es sogar 70 Prozent. Für die Unternehmen heißt das: Verbraucher achten sehr auf das Preis-Leistungs-Verhältnis – nur wer hier wettbewerbsfähig ist, bleibt auf Dauer im Geschäft.

Datenerhebung

Die Datenerhebung für die Studie „Preissieger“ erfolgte über die sogenannte Social-Listening-Methode. Im ersten Schritt wurden sämtliche Texte, die relevante und vorab definierte Suchbegriffe enthielten, aus dem
Internet geladen und in einer Datenbank erfasst. Untersucht wurden alle Seiten beziehungsweise Inhalte von Seiten, die folgende Bedingungen erfüllt haben: eine deutsche („.de“) oder deutschsprachige Domain
(„.at“ und „.ch“ werden ausgeschlossen) sowie einen uneingeschränkten Zugang zum Inhalt der Seite.

Nicht berücksichtigt wurden Seiten oder Inhalte, die sich etwa hinter einer Bezahlschranke oder einem zugriffsgeschützten Bereich befanden. Insgesamt umfasste das Quellenset unter anderem Zehntausende Online-Nachrichten und mehrere Millionen Social-Media-Adressen. Durchgeführt wurde die Datenerhebung von Ubermetrics Technologies, Berlin.

Analyse

Im zweiten Schritt wurden die Daten ausgewertet. Dabei wurde der Datentopf durch Verfahren der künstlichen Intelligenz (sogenannte neuronale Netze) in Textfragmente aufgesplittet und anschließend in drei Stufen analysiert: Welche Marke wird erwähnt? Wird das Thema „Preis/Leistung“ besprochen? Welche Tonalität weist das Textfragment auf? Die Zuordnung erfolgte mithilfe definierter Schlüsselwörter, die das Themengebiet breit abbilden und umfassen.

Auf der letzten Stufe wurden die Erwähnungen bewertet und den Kategorien positiv, neutral oder negativ zugeordnet (durchgeführt von Beck et al. Services, München). Für diese Studie wurden gut 67 Millionen Nennungen zu rund 23 000 Marken und Unternehmen erfasst und ausgewertet (1. Juli 2019 bis 31. Mai 2020).

Auswertung

Stimmen, Punkte, Ranking – wie die Daten ausgewertet und die Sieger ermittelt wurden.

Über 67 Millionen Nennungen zu 23000 Unternehmen – rund 3500 Sieger am Ende: Die Preissieger 2020 sind ermittelt. Doch wie wurden die Punkte errechnet? Zunächst wurden aus den erfassten Verbraucherstimmen zwei Werte ermittelt: erstens der Tonalitätssaldo. Das ist die Differenz aus
positiven und negativen Nennungen, geteilt durch die Gesamtzahl der Nennungen. Und zweitens die Reichweite, die Anzahl der Gesamtnennungen im Verhältnis zum Mittelwert der Branche. Hintergrund hier: Je reichweitenstärker ein Unternehmen ist, desto stärker wirkt sich die Tonalität aus, also ob die Kommunikation überwiegend positiv oder negativ gefärbt ist.

Anschließend wurden beide Werte zu einem ersten Punktwert verrechnet.
Die Auszeichnung wurde anhand der erreichten Punktzahl im Gesamt-Ranking vergeben. Die Berechnung erfolgte branchenspezifisch auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten. Der jeweilige Branchensieger erhielt 100 Punkte und setzt damit die Benchmark innerhalb der Branche. Die Auszeichnung „Gold“ erhalten Marken, die 90 Punkte oder mehr in der Gesamtwertung erreicht haben. Das Prädikat „Silber“ ging an Marken mit 80 und mehr Zählern, mit „Bronze“ wurden alle Marken mit 70 und mehr Punkten ausgezeichnet. Wer am Ende in welcher Branche die Nase vorn hat – wer also zu Deutschlands Preis-Leistungs-Siegern gehört –, zeigen die Tabellen im Download oben rechts.

(Das Sonderheft „Preissieger“ wurde im Oktober/November 2020 als Beilage in FOCUS und FOCUS-MONEY veröffentlicht)


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