Studie

Werte für die Zukunft

24. August 2019 – 

Ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung – welche Unternehmen in Deutschland das Thema Nachhaltigkeit engagiert und erfolgreich vorantreiben und damit einen wertvollen Beitrag für die Zukunft leisten

Wenn am Aktienmarkt von den „wertvollsten Unternehmen“ die Rede ist, geht es meistens um den Börsenwert, die sogenannte Marktkapitalisierung. Sie lässt sich leicht berechnen: Die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien wird mit dem aktuellen Börsenkurs multipliziert. Heraus kommt die Summe, die man hinblättern müsste, um das Unternehmen zu kaufen. Doch der rechnerische Wert ist nur die eine Seite.

Eine Frage der Definition

Eine wertvolle Firma muss nicht automatisch groß, mächtig und teuer sein. Je nach Definition des Begriffs „wertvoll“ kann sogar das Gegenteil der Fall sein. Leistet eine Firma nicht auch einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft und deren Zukunft, wenn sie sich beim Thema Nachhaltigkeit engagiert? Ist es nicht auch wertvoll, eine ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung zu übernehmen und das im Tagesgeschäft zu leben?

DEUTSCHLAND TEST ist diesen Fragen nachgegangen. Gemeinsam mit dem Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) – und mit wissenschaftlicher Begleitung des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) – wurde untersucht, was die Firmen in Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit tun, welche Verantwortung sie übernehmen, wie sie darüber berichten und wie tief das Thema in der Unternehmens-DNA verwurzelt ist.

Die Ergebnisse zeigen: Wertvoll – so wie in dieser Studie definiert – ist nicht mit der Marktkapitalisierung gleichzusetzen. Es geht in dieser Untersuchung darum, was die Firmen für ihre Mitarbeiter und die Gesellschaft leisten. Im Verhältnis kann das bei einem kleinen Unternehmen viel mehr sein als bei einem großen (Details s. PDF zum Download oben rechts).

Die Studie

Die wertvollsten Unternehmen

Methodik: Die Details der Untersuchung

Datenerhebung

Basis der Studie „Deutschlands wertvollste Unternehmen“ waren verschiedene Datenquellen – unter anderem eine Liste der 5000 größten deutschen Unternehmen (nach Mitarbeiterzahl) sowie die Datenbank des DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex). Voraussetzung für eine Aufnahme in die Auswertung war das Vorliegen eines Nachhaltigkeitsberichts oder einer schriftlichen Stellungnahme zum Thema Nachhaltigkeit aus dem Jahr 2016 oder jünger. Sofern vorhanden, wurde jeweils die aktuellste Ausgabe in die Auswertung einbezogen.

Als Orientierung für die Auswertung der einzelnen Berichte diente der GRI-Standard (Global Reporting Initiative). Danach wird die Berichtslegung zum Thema Nachhaltigkeit in drei Bereiche gegliedert: erstens die ökologische Verantwortung (mit den Unterkategorien Emissionsintensität, Energieintensität, Müllaufkommen, Recycling, Kontrolle der Lieferkette). Zweitens die ökonomische Verantwortung (Anteil Forschungsausgaben am Umsatz, Investitionsquote, Finanzierung/Schuldenquote, Cashflow/Ergebnis, lokale Bedeutung, Kontrolle und Verantwortung, Vergütung Vorstand/Geschäftsführung). Und drittens die soziale Verantwortung (Dauer, Flexibilität und Vielfalt der Beschäftigungsverhältnisse, geschlechterspezifische Lohnunterschiede, Weiterbildung, Arbeitssicherheit, Korruption/Compliance, Produktsicherheit, Kontrolle der Lieferkette).

Berichte von Unternehmen, die nicht diesem Schema folgen, ließen sich dennoch anhand dieser drei Kategorien analysieren, indem die angesprochenen Themen den Feldern entsprechend zugeordnet wurden. Die Gewichtung dieser drei Testfelder lag bei jeweils 20 Prozent.

Zusätzlich zu den GRI-Kategorien sind drei weitere Testfelder in die Bewertung eingeflossen: erstens die Art des Berichtstyps (ob es sich um einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht, ein Unterkapitel im Geschäftsbericht oder ein anderes Format handelt; Gewichtung zehn Prozent). Zweitens die Struktur des Berichts (ob das Unternehmen in einer eindeutigen Form zu den GRI-Themen Stellung bezieht, nur in allgemeiner und oberflächlicher Form auf diese eingeht oder keinen Bezug zu den drei Nachhaltigkeitssäulen herstellt; zehn Prozent). Und drittens die hierarchische Eingliederung des Themas Nachhaltigkeit im Unternehmen (auf welcher Ebene die Verantwortung liegt; 20 Prozent).

Auswertung

Für jedes der sechs Bewertungsfelder wurde ein Punktwert ermittelt. Diese Einzelwerte wurden anhand ihrer Gewichtung zum Gesamtpunktwert addiert. Berücksichtigt wurden zudem noch Aktualität, Umfang und Prüfungsart des Berichts. Die Auszeichnung „Deutschlands wertvollste Unternehmen“ wurde anhand der erreichten Punktzahl im Gesamt-Ranking vergeben. Die Berechnung des Punktwerts erfolgte branchenspezifisch auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten. Der jeweilige Branchensieger erhielt 100 Punkte und setzt damit die Benchmark für alle anderen untersuchten Unternehmen innerhalb der Branche. Eine Auszeichnung erhalten diejenigen Unternehmen, die mindestens 60 Punkte in der Gesamtwertung erreicht haben. Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie vom Hamburgischen WeltWirtschaftsInstitut (HWWI).

(veröffentlicht in FOCUS 35/2019 vom 24. August 2019)


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