Studie

Werte für die Zukunft

25. August 2018 – 

Ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung – welche Unternehmen in Deutschland das Thema Nachhaltigkeit engagiert und erfolgreich vorantreiben und damit einen wertvollen Beitrag für die Zukunft leisten

Wenn an der Börse von den „wertvollsten Unternehmen“ die Rede ist, geht es meistens um die sogenannte Marktkapitalisierung. Sie ergibt sich, wenn die Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien mit dem aktuellen Börsenkurs multipliziert wird. Anders ausgedrückt, ist das die Summe, die man auf den Tisch legen müsste, um das Unternehmen zu kaufen. Einerseits.

Frage der Definition

Andererseits müssen die „wertvollsten Unternehmen“ nicht automatisch teuer, groß und mächtig sein. Häufig ist sogar das Gegenteil der Fall, je nach Definition des Begriffs „wertvoll“.

Hand aufs Herz: Leistet nicht auch eine Firma einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft und deren Zukunft, wenn sie sich beim Thema Nachhaltigkeit engagiert? Ist es nicht auch wertvoll, eine ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung zu übernehmen und das nachzuweisen?

DEUTSCHLAND TEST ist diesen Fragen nachgegangen. Mit wissenschaftlicher Begleitung des Hamburgischen WeltWirtschaftsinstituts (HWWI) wurde unter anderem untersucht, was die Firmen in Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit tun, welche Verantwortung sie übernehmen, wie sie darüber berichten und wie tief das Thema in der Unternehmens-DNA verwurzelt ist. Eingeordnet wurden die untersuchten Firmen in die Sektoren Handel, Industrie und Dienstleistungen.

Leistung für die Gesellschaft

Die Ergebnisse zeigen: Wertvoll – so wie in dieser Studie definiert – ist nicht mit der Marktkapitalisierung gleichzusetzen. Es geht darum, was die Firmen für ihre Mitarbeiter und die Gesellschaft leisten. Im Verhältnis kann das bei den Kleinen mehr sein als bei den Großen (Details s. PDF zum Download oben rechts).

Die Studie

Die wertvollsten Unternehmen

Methodik: Die Details der Untersuchung

Datenerhebung

Basis der Studie „Deutschlands wertvollste Unternehmen“ waren verschiedene Datenquellen, unter anderem die nach Mitarbeiterzahl 5000 größten Unternehmen und die Datenbank des DNK (Deutscher Nachhaltigkeitskodex). Voraussetzung für eine Aufnahme in die Auswertung war das Vorliegen eines Nachhaltigkeitsberichts oder einer schriftlichen Stellungnahme zum Thema Nachhaltigkeit aus dem Jahr 2015 oder jünger. Sofern vorhanden, wurde jeweils die aktuellste Ausgabe in die Auswertung einbezogen.

Als Orientierung für die Auswertung der einzelnen Berichte diente der GRI-Standard (Global Reporting Initiative). Danach wird die Berichtslegung zum Thema Nachhaltigkeit in drei Bereiche gegliedert: erstens die ökologische Verantwortung (mit den Unterkategorien Emissionsintensität, Ressourcenintensität, Müllaufkommen, Recycling, Kontrolle der Lieferkette).

Zweitens die ökonomische Verantwortung (Innovationsfähigkeit, wirtschaftliche Leistung, Qualität, Corporate Governance). Und drittens die soziale Verantwortung (Arbeitssicherheit, Gesundheitsschutz, Qualität der Beschäftigungsverhältnisse, Abwesenheit von Diskriminierung, Produktsicherheit, Kontrolle der Lieferkette).

Berichte von Unternehmen, die nicht diesem Schema folgen, lassen sich dennoch anhand dieser drei Kategorien analysieren, indem die angesprochenen Themen den Feldern entsprechend zugeordnet werden. Die Gewichtung dieser drei Testfelder lag bei jeweils 20 Prozent.

Zusätzlich zu den GRI-Kategorien sind drei weitere Aspekte in die Bewertung eingeflossen: erstens die Art des Berichtstyps (ob es sich um einen eigenständigen Nachhaltigkeitsbericht, ein Unterkapitel im Geschäftsbericht oder ein anderes Format handelt; Gewichtung 10 Prozent).

Zweitens die Struktur des Berichts (ob das Unternehmen in einer eindeutigen Form zu den GRI-Themen Stellung bezieht, nur in allgemeiner und oberflächlicher Form auf diese eingeht oder keinen Bezug zu den drei Nachhaltigkeitssäulen herstellt; 10 Prozent). Und drittens die hierarchische Eingliederung des Themas Nachhaltigkeit im Unternehmen (auf welcher Ebene die Verantwortung liegt; 20 Prozent).

Auswertung

Für jedes der sechs Bewertungsfelder wurde ein Punktwert ermittelt. Diese Einzelwerte wurden anhand ihrer Gewichtung zum Gesamtpunktwert addiert. Die Auszeichnung „Deutschlands wertvollste Unternehmen“ wurde anhand der erreichten Punktzahl im Gesamt-Ranking vergeben.

Die Berechnung des Punktwerts erfolgt sektorenspezifisch auf einer Skala von 0 bis 100 Punkten. Der jeweilige Sektorensieger erhielt 100 Punkte und setzt damit die Benchmark für alle anderen untersuchten Unternehmen innerhalb des Sektors. Eine Auszeichnung erhalten diejenigen Unternehmen, die mindestens 60 Punkte in der Gesamtwertung erreicht haben.

Wissenschaftlich begleitet wurde die Studie vom Hamburgischen WeltWirtschaftsinstitut (HWWI). Das Institut ist privat finanziert, agiert unabhängig und ist den Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft verpflichtet. Im Zentrum der Arbeit stehen der Transfer aus Wissenschaft und Forschung in die Praxis. Weitere Fundamente sind die Grundlagenforschung sowie die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

 

(veröffentlicht in FOCUS 35/2018 vom 25. August 2018)

 

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