Im Test: Familienunternehmen

In den Händen der Familie

10. Februar 2018 – 

Sie stärken die Wirtschaft, handeln verantwortungsvoll und sind regional verankert – welche Firmen und Marken bei den Verbrauchern in Deutschland besonders beliebt sind

Sprichwörter zum Thema Tradition gibt es viele. Zum Beispiel dieses: Tradition ist die Bewahrung des Feuers – und nicht Anbetung der Asche.

In vielen deutschen Firmen brennt dieses Feuer seit mehr als einem Jahrhundert. Häufig sind es Familienunternehmen, die von Generationen geformt und geprägt wurden und auf eine lange Geschichte zurückblicken können – und bis heute unter der Kontrolle oder im Besitz der Familie sind.

Prominente Beispiele sind der Pharma-Konzern Merck KGaA oder Alois Dallmayr, Europas größtes Delikatessengeschäft und eine der bekanntesten Kaffeemarken Deutschlands. Beide Unternehmen sind über 300 Jahre alt, mehrheitlich in Familienhand – und überaus erfolgreich.

Stark geprägt von Familien

Merck, Dallmayr & Co. – die volkswirtschaftliche Bedeutung der Familienunternehmen in Deutschland ist enorm. Neun von zehn Firmen werden hierzulande vom Eigentümer geführt oder sind familienkontrolliert. Und das sind nicht nur Kleinbetriebe: Bei Firmen mit einem Umsatz über 50 Millionen Euro liegt der Anteil immer noch bei 45 Prozent.

In Summe arbeiten rund 57 Prozent der Beschäftigten in Deutschland in einem familienkont­rollierten Unternehmen und erwirtschaften über die Hälfte des Gesamtumsatzes. Im Bau, im Gastgewerbe und im Handel ist die Zahl der Familienunternehmen am höchsten, Industriezweige wie Energie- und Wasserversorgung, Entsorgung oder Bergbau weisen dagegen die geringsten Anteile auf.

Gesundes Wachstum

Die Zahlen machen deutlich: Familien­unternehmen sind nach wie vor das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Viele von ihnen zeichnen sich über Generationen hinweg durch regionales und soziales Engagement, durch Weitsichtigkeit und Krisenfestigkeit sowie durch gesundes Wachstum aus. Häufige Merkmale sind darüber hinaus eine solide Eigenkapitalbasis, eine geringe Verschuldung oder ein starker Markenkern.

Doch welche Firmen sind eigentlich besonders beliebt bei den Menschen? Zum dritten Mal hat DEUTSCHLAND TEST gemeinsam mit den Experten von ServiceValue die größten Familienunternehmen des Landes untersucht. Dabei wurden mehr als 100.000 Verbraucherurteile erfasst und ausgewertet (Methodik s. Kasten unten). Welche Firmen in den einzelnen Bundesländern und insgesamt spitze sind, verrät der große Deutschland-Atlas (s. PDF zum Download oben rechts).

Die Ergebnisse

Die beliebtesten Familienunternehmen

Ranking: Die TOP 10

RangUnternehmenScore
1dm-drogerie markt GmbH & Co. KG2,00
2Miele & Cie. KG2,09
3Villeroy & Boch AG2,13
4Alfred Ritter GmbH & Co. KG2,14
5Faber-Castell AG2,17
6Dirk Rossmann GmbH2,17
7Alfred Kärcher GmbH & Co. KG2,21
8Haribo GmbH & Co. KG2,24
9Stihl Holding AG & Co. KG2,24
10Steiff Beteiligungsgesellschaft mbH2,25
Quelle: ServiceValue; Score: 1 = ausgezeichnet, 2 = sehr gut, 3 = gut,
4 = mittelmäßig, 5 = schlecht; Werte auf zwei Nachkommastellen gerundet

Der Test

Auf der Suche nach den beliebtesten Familien­unternehmen führte DEUTSCHLAND TEST gemeinsam mit dem Wirtschaftsmagazin FOCUS-MONEY und dem Kölner Analyse- und Beratungshaus ServiceValue eine bundesweite Online-Befragung unter Verbrauchern durch.

Die konkrete Fragestellung der Untersuchung lautete: „Im Folgenden werden Familienunternehmen aufgeführt, die mit eigenem Namen oder anders lautenden Marken (in Klammern) am Verbrauchermarkt vertreten sind. Wie beurteilen Sie aus eigener Erfahrung insgesamt das jeweilige Unternehmen? Die Antwortmöglichkeiten waren: 1 = ausgezeichnet, 2 = sehr gut, 3 = gut, 4 = mittelmäßig, 5 = schlecht, 99 = kann ich nicht beurteilen.

Grundlage der Auswahl war die Auflistung „Top 1000 – die größten Familienunternehmen“ des Wirtschaftsmediums „Die Deutsche Wirtschaft“. Herausgefiltert wurden anschließend nur Unternehmen, die weitere Bedingungen erfüllen.

Erstens: Die Unternehmen müssen in direktem Kontakt zum Endkunden stehen (Business-to-Consumer). Zweitens: Der erwirtschaftete Jahresumsatz muss bei mindestens 35 Millionen Euro liegen. Drittens mussten die Firmen der Definition der EU-Kommission entsprechen. Sie besagt: Ein Unternehmen (…) muss im Besitz der Mehrheit der Stimmen sein. Diese müssen direkt oder indirekt von der Familie oder dem Gründer gehalten werden. Bei börsennotierten Firmen muss ein Familienmitglied – oder die Person, die das Unternehmen gegründet oder das Gesellschaftskapital erworben hat – noch mindestens 25 Prozent der Stimmen halten.

Je Unternehmen beziehungsweise dessen Marke(n) wurden grundsätzlich mindestens 300 Kundenstimmen eingeholt. Bei einzelnen Familienunternehmen kann die Stichprobengröße in Abhängigkeit von Inzidenzraten und Kundenzahl auch darunter liegen. Unterm Strich wurden 117.753 Verbraucherurteile erfasst und ausgewertet.

Anhand der errechneten Mittelwerte (Score) wurde ein Ranking über alle untersuchten Unternehmen erstellt. Die 150 besten Firmen erhalten die Auszeichnung „Beliebteste Familienunternehmen – Preisträger 2018“. Alle Ergebnisse im PDF zum Download oben rechts (Sortierung erfolgte nach einzelnen Bundesländern und alphabetisch).


(veröffentlicht in FOCUS 07/2018 vom 10. Februar 2018)

 


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