Im Test: Digitaler Wandel

Fit gemacht für die Zukunft

27. Februar 2019 – 

Die digitale Transformation wälzt heute jeden Sektor der deutschen Wirtschaft um. Der große Check quer durch alle Branchen zeigt, welche Unternehmen für den Wandel gerüstet sind

Digitalisierung – darunter verstand man in grauer Vorzeit einmal den Kauf neuer Computer. Heute gehört weitaus mehr dazu, vor allem, wenn man im Wandel der Moderne als „Digital-Champion“ überzeugen will.  „Wurden 2018 weitere IT-Fachkräfte eingestellt?“ und „Wie entwickelten sich die Investitionsausgaben im Bereich Digitalisierung 2018?“ gehören daher zu den brennendsten Fragen an Unternehmen.

Schlagwort “Industrie 4.0”

Die Antworten lassen erste Schlüsse zu, ob ein Unternehmen künftig in der Führungsriege der Digitalisierung mitspielen will und möglicherweise auch kann. Dabei sind Digitalisierung und künstliche Intelligenz keine reine Domäne der Informationstechnologie mehr. Finanzdienstleister und Maschinenbauer integrieren sie in ihr Geschäft. So sehen sich bereits 22 Prozent der Maschinenbauer beim Schlagwort Industrie 4.0 mit von der Partie, zumindest mit einigen Spezialanwendungen.

Auf dem neuesten Stand der Digitalisierung zu sein hatte dennoch für viele Unternehmenslenker noch vor Kurzem nicht erste Priorität. Doch sie haben mittlerweile verstanden: Verschlafen sie die Entwicklung, dürfte dies in Zukunft die Wettbewerbsfähigkeit und somit die Wirtschaftlichkeit stark belasten.

Bei einer Umfrage der DZ Bank im Frühjahr 2018 unter Mittelständlern mit mehr als 200 Beschäftigten gaben daher 92 Prozent der Befragten an, dass sie bereits auf einer digitalen Plattform aktiv sind – oder zumindest aktiv werden wollen. Sie versprechen sich davon vor allem Kosteneinsparungen und mehr Transparenz.

10.000 Unternehmen im Check

Innerhalb der Branchen bestehen jedoch immer noch sehr starke Unterschiede. Welches Unternehmen als Branchenprimus gelten darf, eben als Digital-Champion, ist für Außenstehende oft schwer einzuschätzen.

DEUTSCHLAND TEST hat daher wie im Vorjahr erneut eine große Untersuchung durchgeführt. Aus den rund 10.000 größten Unternehmen Deutschlands aus mehr als 70 Branchen wurden mit wissenschaftlicher Begleitung durch das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) die Digital-Champions ermittelt (s. Methode unten).

Bei den meisten Unternehmen gehört das Thema Digitalisierung bereits zum Alltag. Dabei spielt es kaum mehr eine Rolle, ob es sich um einen kleineren Mittelständler handelt, der mit seinen Ressourcen sehr sorgfältig umgehen muss, oder um einen global agierenden Konzern, der in seinen IT-Abteilungen große Kapazitäten auf die Digitalisierung ansetzen kann. Neben der technischen Herausforderung hat die digitale Transformation zudem eine große betriebskulturelle und organisatorische Dimension, die nicht zu unterschätzen ist.

Doch gerade die innovationsfreudigen deutschen Unternehmen sollten diese Hürden meistern. Wer die digitalen Herausforderungen in seiner jeweiligen Branche am aktivsten annimmt, kann sich mit Recht Digital-Champion nennen.

Der Test

Digitale Champions

Methodik: Die Details der Untersuchung

Test
Eine Erhebung, wie stark die digitale Transformation in einem Unternehmen bereits gelebt wird, muss zwangsläufig von vergleichsweise einfachen, wenn auch aufwendigen Produkttests stark abweichen. Für die Ermittlung der ­Digital-Champions in Deutschland wurde daher eigens ein zweistufiger Test entwickelt. Dieser DEUTSCHLAND TEST wurde wie auch 2018 mit Unterstützung des Hamburgischen Welt-WirtschaftsInstituts (HWWI) durchgeführt.

Als Grundgesamtheit dienten die nach Mitarbeiterzahl größten rund 10.000 Unternehmen. Dabei wurde diesen zum einen ein umfangreicher Fragebogen zugesendet. Zum anderen wurden zugängliche Internet-Informationen ausgewertet. Dabei wurden nur deutsche oder deutschsprachige Domains untersucht und Seiten oder Inhalte hinter einer Bezahlschranke oder zugriffsgeschützte Bereiche nicht erfasst.

Web-Auswertung
Mit Hilfe des Social Listening wurden im Untersuchungszeitraum 1. Januar bis 31. Dezember 2018 Online-Quellen ausgewertet, um einen Eindruck von der Innovationskraft, der Technologie und dem Digitalisierungsniveau der Unternehmen zu bekommen.

Dabei wird das Social Listening in zwei aufeinanderfolgende Stufen aufgeteilt. Auf der ersten, dem Crawling, wurden Daten aus rund 350 Millionen Online-Quellen – unter anderem 24 Millionen Foren, 123 Millionen Web-Seiten und 143 Millionen Nachrichtenseiten sowie alle Social-Media-Kanäle – zusammengetragen. Insgesamt konnten zu den rund 10.000 Unternehmen 9,7 Millionen Nennungen im Untersuchungszeitraum gesammelt werden.

Auf der zweiten Stufe, dem Processing, wurde mittels künstlicher Intelligenz (neuronale Netze, selbstlernende Software) diese umfangreiche Datenbasis drei Themenblöcken zugeordnet: Marken, Themen und Tonalität. Dabei wurde den jeweiligen Erwähnungen im Web anhand der Sentiment-Analyse Positiv, Negativ oder Neutral zugeordnet. Entsprechend der Größenordnung der jeweiligen Aussagen wurde dann bewertet.

Fragebogen
Zeitgleich konnten die Unternehmen einen umfassenden Fragebogen ausfüllen, der unterschiedliche Aspekte der Digitalisierung im Betrieb abdeckte. In den fünf thematischen Blöcken Allgemeines, Prozesse, Daten, Arbeit, Kommunikation und Strukturmerkmale wurden 28 Einzelaspekte abgefragt und mit Punkten bewertet.

Insgesamt waren 400 Punkte erreichbar. Der Block mit den meisten Punkten war „Daten“. Dort wurden 120 Punkte vergeben. Datenschutz und Datensicherheit waren dabei wiederum mit 70 Punkten der in der gesamten Umfrage am stärksten gewichtete Punkt.

Gesamtwertung
Für die Gesamtwertung wurden die Punkte aus dem Fragebogen und dem Social Listening zusammengeführt. Die Gewichtung wurde mit 40 Prozent für den Fragebogen und 60 Prozent für das Social Listening festgelegt. Branchenspezifisch wurden dann die jeweiligen Gewinner ermittelt. Dem Unternehmen, das in einer Branche am besten abschnitt, wurden 100 Punkte zugewiesen. Von diesem Richtwert ausgehend, wurden die folgenden Unternehmen bewertet und mit den entsprechenden Punkten versehen und geordnet.

Nur Unternehmen, die zumindest 60 Punkte erreichten, erhielten die Auszeichnung „Digital-Champion“. Zusätzlich mussten die Unternehmen jedoch mindestens auch auf 20 Nennungen im Beobachtungszeitraum gekommen sein. Aus der Grundgesamtheit konnten 660 Unternehmen ausgezeichnet werden (Ergebnisse s. PDF zum Download oben rechts).

(veröffentlicht in FOCUS-MONEY 10/2019 vom 27. Februar 2019)


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